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Quasselstunde und Motivation to go

Ein Gespräch über Schulpastoral in Zeiten der Corona-Pandemie
Quasselstunde und Motivation to go
Quasselstunde und Motivation to go
Gerne genutzt: ein besonderes Angebot der Schulpastoral an der St. Angela-Schule. © Barbara Keiper
© privatBarbara Lecht

Barbara Lecht ist Referentin für Schulpastoral im Bistum Limburg und mit 30 Prozent an der Bischof-Neumann-Schule im Bereich Schulpastoral tätig. Barbara Keiper unterrichtet Religion und Mathematik an der St. Angela-Schule und ist auch in der Schulpastoral eingesetzt. 

Wie erleben Sie die Situation an der Schule?

Lecht: Es passiert gerade auf allen Ebenen sehr viel und es wird enorm viel Energie aufgewendet, um das System am Laufen zu halten. Gleichzeitig ist eine große Sehnsucht nach dem ganz normalen Leben spürbar. Die Kinder und Jugendlichen vermissen unendlich ihre Klassenkameraden, die Lehrer vermissen ihre Schüler und ihre Kollegen. Die Eltern machen sich Sorgen, wenden sich mit dem Wunsch an uns, ihre Kinder im  Blick zu behalten. Man merkt gerade sehr deutlich, was an Schule alles dran hängt: Das ist vor allem für die Schülerinnen und Schüler mehr als Lernen. Es ist ihr Lebensraum, ihr Ort, wo sie ihre sozialen Kontakte haben. Hier sind sie die Experten.

Keiper: Wir haben in der St. Angela-Schule derzeit alle Formen: Präsenzunterricht, Wechselunterricht, Homeschooling. Das ist organisatorisch eine Herausforderung. Immerhin hatten wir von August bis Dezember im vergangenen Jahr einen sozusagen normalen Unterricht, unter Corona-Bedingungen. Das heißt natürlich: Keine Gruppenarbeit, Essen mit Abstand, kein  Wandertag, kein Fest, keine Besinnungstage, kein Basar. Auch der St. Angela-Tag, sonst ein großes Ereignis, ist ausgefallen. 

© privatBarbara Keiper

Wie kommen die Schülerinnen und Schüler zurecht?

Lecht: Sie gehen sehr vernünftig damit um und sind, wenn sie Präsenzunterricht haben, sehr diszipliniert. Ansonsten hängt das natürlich auch vom Alter ab. Für Kinder ist das eine Situation, die ihnen Angst macht. Sie erleben am Telefon vielleicht die Großeltern, die sich nach ihnen sehnen, die sie aber nicht besuchen und schon gar nicht umarmen dürfen. Auch die Älteren machen sich vielfach Gedanken und bangen um ihre Angehörigen.

Keiper: Mein Eindruck ist: Sie wollen einfach wieder in die Schule kommen. Auch wenn sie versichern, dass es ihnen soweit gut geht. Die Pandemie-Müdigkeit ist groß. Die Schülerinnen, die vor Abschlussprüfungen stehen, machen sich Sorgen, wie es danach für sie weitergeht. Wie finde ich jetzt nach meinem Realschulabschluss einen Ausbildungsplatz oder eine weiterführende Schule? Was kommt nach dem Abitur? Generell fühlen sie sich aber gut vorbereitet. Für alle gilt: Das Gemeinschaftsgefühl und der Austausch fehlen.

Man merkt gerade sehr deutlich, was an Schule alles dran hängt.

© Barbara Keiper"Sie wollen einfach wieder in die Schule gehen."

Welche Angebote gibt es von Ihnen aus? 

Lecht: Wir haben an der Bischof Neumann-Schule eine ganze Reihe von Ideen umgesetzt und waren in den vergangenen Monaten sehr kreativ. Sehr gut angenommen wird zum Beispiel die sogenannte Quasselstunde, ein digitales Format, an dem zweimal die Woche rund 20  Schüler mit dabei sind. Daraus entstehen auch mal Einzelgespräche, wenn ein Thema vertieft werden soll: online oder auch am Telefon. Wir signalisieren den Schülern ausdrücklich, dass  Reden hilft und wir ein offenes Ohr für sie haben.

Wir versuchen, die Stimmung zu halten

Jede Woche gibt es außerdem einen Gruß aus der Schulpastoral an die ganze Schulgemeinde, mit netten Texten und einem schönen Bild dazu. Dazu bekommen wir viele positive Rückmeldungen. Es wird sogar Zuhause beim Abendessen darüber gesprochen, ist uns erzählt worden. Im vergangenen Jahr hatten wir einen Gottesdienst gefilmt und auf YouTube gestellt. Der ist sehr oft angeklickt worden, viele haben vor dem Bildschirm gesessen und mitgefeiert und ihn auch an die Großeltern weitergeleitet. Es hat den Kindern und Jugendlichen gut getan, Mitschüler mal wiederzusehen. Und den Musiklehrer, der Zuhause auf dem Klavier gespielt hat. Wir versuchen einfach, die Stimmung zu halten.

Keiper: „Wir halten zusammen“: So war der erste Blog auf der Internetseite der St. Angela-Schule überschrieben. Eingestellt waren zum Beispiel Impulse, Gebete und Fotos, aber auch Rezepte, um Zusammenhalt zu zeigen. Aktuell gibt es dort die „Motivation to go“. Die Schülerinnen können hier ihre Ideen loswerden und ihre Gedanken teilen. Eine besondere Aktion der Schulpastoral war die „Wand der Sorgen, Freuden und Wünsche“, wo die Schülerinnen auf laminierten Kärtchen aufschreiben konnten, was ihnen auf der Seele liegt.

Online bei Frühschicht und Frühstück mit dabei

Wir haben im Advent Besinnungen und auch einen Gottesdienst digital angeboten. Gerade bereiten wir zusammen mit Schülerinnen einen Passions- und Ostergottesdienst auch wieder als Online-Angebot vor. Noch eine nette Geschichte: Wir haben jetzt wieder mit unserer Frühschicht freitags um 7 Uhr angefangen. Daraufhin haben ein paar Schülerinnen gefragt, ob sie online dabei sein könnten. Da haben wir spontan auf unserer Online-Plattform eine Frühschichtgruppe gegründet und die vier waren zugeschaltet, mit Laptop im Kreis im Meditationsraum. Beim Frühstück waren sie auch dabei und haben zur gleichen Zeit zu Hause ihr Müsli gelöffelt. Damit haben wir nicht gerechnet; es zeigt gut das große Bedürfnis nach Treffen und Gemeinschaft.

Es gibt ein großes Bedürfnis nach Treffen und Gemeinschaft.

Welche Rolle hat die Schulpastoral in diesen Zeiten, hat sich da was verändert?

Lecht: Die Schulseelsorge ist deutlich mehr gefragt: Ich weiß das deswegen so genau, weil wir gerade drei Tage lang unser aktuelles Weiterbildungsmodul in Sachen Schulpastoral abgeschlossen haben. Da ist mir von vielen Beteiligten ein erhöhter Bedarf an den Schulen zurückgemeldet worden. Überall haben sich in der Pandemie die Kolleginnen und Kollegen viel einfallen lassen, um Kontakt mit den Schülern zu halten und Zugang zu ihnen zu haben, angefangen bei Online-Sprechstunden über regelmäßige Schülertreffs bis hin zu live gestreamten Gottesdiensten und anderen religiösen Formaten.

Seelsorgegespräch am Telefon

Aber es gibt auch eine Reihe von neuen Fragen, zum Beispiel, ob man das Telefon für ein Seelsorgegespräch mit  Schülern nutzen kann. Wer Rat und Unterstützung für die Schulpastoral an seiner Schule braucht, kann sich gerne direkt an mich wenden. Ebenso natürlich diejenigen, die sich für den Weiterbildungskurs interessieren. Materialien und Arbeitshilfen für die Arbeit gibt es auch auf unserer Homepage unter https://schulpastoral.bistumlimburg.de

Einmal im Jahr startet ein Kurs zur berufsbegleitenden Weiterbildung des Pädagogischen Zentrums der Bistümer im Lande Hessen in Zusammenarbeit mit den Schulabteilungen der Diözesen Fulda, Limburg, Mainz, Speyer und Trier sowie dem Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF) Mainz. Informationen dazu gibt es bei Barbara  Lecht, E-Mail: b.lecht@bistumlimburg.de. 

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