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Aufgeben? Nein, danke!

Das Azubi-Projekt in Gladenbach unterstützt Geflüchtete bei ihrem Start ins Berufsleben
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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Azubi-Projekts trafen sich vor der Corona-Pandemie in der Unterkirche in Gladenbach. Heute finden die Treffen digital statt. © privat

Online vernetzt über Stadtgrenzen hinaus

Aufgrund der Pandemie müssen die sonst üblichen Treffen in der Unterkirche in Gladenbach derzeit ausfallen. Stattdessen treffen sich die Azubis und die Organisatorinnen online über Videokonferenzen. „Die Azubi-Hilfe schlägt auch schon weite Kreise“, sagt Pflug. „Mich erreichte eine Anfrage vom Jobcenter, ob wir einen Azubi begleiten könnten, der gar nicht aus Gladenbach ist. Da war Corona einmal zu etwas gut, weil er über die Online-Kurse problemlos teilnehmen kann, ohne lange Anreise.“
Zwei Auszubildende haben ihre Lehre mit der Note „gut“ bestanden. Carmen Pflug erzählte, dass ein Absolvent bei ihr anrief um die Ergebnisse mitzuteilen und sich im gleichen Atemzug bei ihr und Marianne Blüm bedankte. „Er wollte etwas wiedergeben und unterstützt seitdem das Projekt mit seinem technischen Wissen, zum Beispiel für die Online-Meetings. Außerdem steht der gelernte Werkzeugmechaniker anderen Azubis für alle Fragen zu dem Fach Mathematik zur Seite.“

Was ehrenamtlich startete, ist heute fester Bestandteil der Gladenbacher Flüchtlingshilfe: Das Azubi-Projekt unterstützt aktuell sieben junge Menschen bei ihrer Ausbildung. Das Projekt hat schon zwei erfolgreiche Abschlüsse hervorgebracht, beide Männer wurden in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Carmen Pflug und Marianne Blüm sind die Initiatorinnen des Projekts und greifen den Azubis mehrfach in der Woche unter die Arme. Dazu gehören Hilfe bei dem Berufsschulfach Wirtschaft und Soziales, Wortschatzarbeit, Prüfungsvorbereitungen und individuelle Gespräche.

Abbrüche verhindern

„Viele Azubis befassen sich oft mit dem Gedanken aufzugeben und die Ausbildung abzubrechen. Die Berufsschulfächer überfordern mit dem Fachvokabular. Besonders schwierig ist das Fach Wirtschaft und Soziales“, sagt Carmen Pflug. Es fehlen die notwendigen Deutschkenntnisse, um in dem Fach bestehen zu können. Auch Mathematik und ausbildungsspezifische Fächer bereiten zum Teil große Verständnisschwierigkeiten. Hauptziel des Azubi-Projektes ist, dass die Geflüchteten die Lehre erfolgreich abschließen. Deswegen seien auch die individuellen Gespräche so wichtig: „Wir wollen jeden Abbruch verhindern“, so Pflug.
Das Projekt startete auf Grundlage von dem ehrenamtlichen Engagement von Marianne Blüm. Sie begleitete 2019 einen geflüchteten Mann bei seinem Hauptschulabschluss und anschließend bei seiner Lehre. „Zum Üben war viel Arbeitsmaterial nötig: Arbeitsblätter, Schulbücher, alte Prüfungen, aber auch ein Scanner. Das war sehr kostenintensiv, aber die Materialien konnten wir später auch für andere Azubis verwenden“, sagt Marianne Blüm. Im Jahr 2020 wurde das Projekt Bestandteil der Flüchtlingshilfe in Gladenbach und erhält nun auch finanzielle Unterstützung vom Bistum Limburg und dem Projekt „Misch mit! Miteinander Vielfalt (er)leben“ aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf.

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